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Anpassungs­störungen

Psychische Belastungen rund um Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft – wenn die Anpassung so schwerfällt

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Wenn man das eigene Leid einmauert, riskiert man, dass es einen von innen her auffrisst.

Eine Anpassungsstörung nach ICD-10 bei Erwachsenen ist eine psychische Reaktion auf eine spezifische, belastende Lebensveränderung oder auch Folge eines lang ersehnten und mit viel Kraft verbundenen Wunsches sein. Sie äußert sich in subjektiver Bedrängnis, Ängsten, depressiven Verstimmungen oder Störungen des Sozialverhaltens, die das normale Maß übersteigen: Gereiztheit, Traurigkeit, Schuldgefühle, Angstzustände, Stimmungsschwankungen, Schlaf- und Essstörungen sowie körperliche Beschwerden können auftreten. Es ist ein Warnsignal, dass die Anpassung an die neue Lebenssituation schwierig ist – keine Schwäche, sondern ein menschlicher Reaktionsmechanismus.

Im Folgenden werden einige oft auftretende Themenfelder beschrieben:

Wenn die Mutterrolle nicht das Glück bringt, das erwartet wird

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Im Moment und in den letzten Tagen hatte ich ein ziemliches Gefühlschaos, richtig Glück oder Freude waren jedoch nicht dabei. Einerseits fiel es mir schwer, eine Verbindung zu meinem Sohn aufzubauen. Während ich meine Schwangerschaft sehr genoss, ist es jetzt nicht so leicht mir vorzustellen , dass mein Sohn wirklich zu mir gehört und entsprechend große Liebe zu empfinden. Ich habe keine Abneigung ihm gegenüber, aber auch keine Liebe, von der man immer spricht. Wenn ich an meine Schwangerschaft denke, empfinde ich große Wehmut: das war eine schöne Zeit. Wenn ich an die Zeit ganz ohne Kind denke, sehne ich mich nach der damaligen Freiheit, nach meinem selbstbestimmten Leben.

In unserer Gesellschaft gilt: Muttersein ist ein Glück. Doch nicht jede Frau erlebt ihre Rolle so.

Eine Frau, die ihre Mutter-Rolle als nicht erfüllend erlebt, die sie bereut, erlebt wenig Verständnis. „Diese Mütter werden oft als krank, egoistisch oder kalt angesehen, deshalb äußern sich auch nur sehr wenige von ihnen – und die sprechen nur anonym. Doch handelt es sich meist um Frauen, die über ihre Situation nachdenken, die ihre Kinder lieben, die aber sagen, es wäre für sie persönlich richtiger gewesen, ein Leben ohne Kinder zu führen“ (Christina Mundlos, Spiegel 2016).
Es ist wichtig festzuhalten: diese Frauen sind nicht krank. Sie spüren nur oft sehr früh eine starke Ambivalenz zu ihrer Rolle dem Kind gegenüber.

Schuldgefühle, Scham, Selbstentwertung, der gesellschaftliche Druck und der daraus resultierende Anspruch gerade jetzt in vollem Umfang alle gefühlten Anforderungen perfekt erfüllen zu müssen sind eine Überforderung. Sie können zu einer Anpassungsstörung führen.

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt

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Jeden Monat hoffe ich… und jeden Monat bricht die Hoffnung in mir zusammen.

Fast jedes zehnte Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Einige Frauen arrangieren sich damit und finden neue Lebensprioritäten. Doch viele geraten in eine schwere Lebenskrise.

Die ständige Konfrontation mit dem unerfüllten Wunsch kann die Lebensfreude rauben, Gedanken im Kreis drehen lassen und selbst kleine Aufgaben unendlich erschöpfen.
Frauen fühlen sich wertlos, schuldig und überfordert, ihre Konzentration lässt nach, und sie kämpfen mit dem Gefühl, ihrem Leben nicht gerecht zu werden. Eine Anpassungsstörung ist hier die natürliche Reaktion auf die nicht mehr tragbare emotionale Belastung.

Hintergrundbild „Ich trank, um meinen Kummer zu ertränken, aber die verdammten Dinger lernten schwimmen.“

„Ich trank, um meinen Kummer zu ertränken, aber die verdammten Dinger lernten schwimmen.“

– Frida Kahlo –

Verlust durch Fehlgeburten

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Vor 4 Wochen hatte ich eine Fehlgeburt. Seitdem bin ich extrem erschöpft, komme nicht zur Ruhe, habe extreme Durchschlafstörungen, neige zu negativen Gedankenkreiseln und bin am Limit meiner Kräfte. Ich weiß nicht, wie ich weitermachen sollte. Es fühlte sich an wie ein Film, der mit mir nichts zu tun hat.

Jede dritte Frau erlebt im Leben eine Fehlgeburt, 10–15 % aller Schwangerschaften enden so. Bereits die erste Fehlgeburt kann tief erschüttern, mehrfach wiederholte Verluste steigern die Belastung erheblich.

Die Diagnose trifft wie ein Schock. Gefühle von Traurigkeit, Verzweiflung, Angst und Ärger wechseln sich ab. Typische Symptome der Anpassungsstörung können auftreten: kreisende Gedanken, reduzierte Leistungsfähigkeit, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle. Auch vorangegangene Schwangerschaftsabbrüche können die Belastung verstärken.

Dauerbelastung nach der Geburt

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Nach Monaten fühlte ich mich wie ein Schatten meiner selbst – immer müde, immer angespannt, immer allein

Viele Mütter erleben die Monate nach der Geburt als enorme Belastung. Schlafmangel, fehlende soziale Unterstützung, ständige Verantwortung für das Baby – das kann emotional instabil, gereizt und ängstlich machen.

Die Ursachen: Überforderung, Isolation, Belastung der Paarbeziehung, verbunden mit dem Anspruch, alles perfekt zu machen. Symptome können Angst- und Schlafstörungen, Weinerlichkeit oder Gereiztheit sein. Auch hier gilt: Dies ist kein persönliches Versagen, sondern ein Warnsignal, dass Hilfe nötig ist, dass die Aufgaben nicht mehr alleine in einem gesunden Maße bewerkstelligt werden können.

Fazit

Psychische Belastungen rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft sind vielschichtig und individuell. Sie sind keine Schwäche – sondern menschliche Reaktionen auf außergewöhnliche Lebenssituationen. Erkennen, verstehen und Hilfe annehmen sind die ersten Schritte, um den Druck zu mindern, die eigene psychische Gesundheit zu schützen und wieder Vertrauen in sich selbst zu gewinnen.