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Traumafolgestörungen

Traumafolgestörungen rund um Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft – wenn die Bilder und Emotionen des Erlebten die Existenz im heute bedrohen

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Es gibt keine größere Qual, als eine unerzählte Geschichte in sich zu tragen.

Ein Trauma (griech. für „Wunde“) ist eine tiefe seelische Verletzung, ausgelöst durch extrem belastende Erlebnisse wie Gewalt, Unfälle oder Katastrophen. Dabei kann es sich um plötzliche oder langanhaltende sowie auch sich wiederholende subjektiv existenziell bedrohlich und ausweglos erlebte Ereignisse handeln, bei denen Menschen in ihrer Ohnmacht gefangen sind. Es kommt zu einer psychischen Ausnahmesituation, in der ein Individuum weder flüchten noch kämpfen kann. Da beide Überlebensreflexe unmöglich sind, erstarrt der Organismus, was zu einer Fragmentierung des Erlebten führt. Alle Ebenen des Menschen, der Körper, das Gehirn, die Emotionen und Beziehungen werden davon beeinflusst.

Aus der ICD 10 kennen wir Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) als eine spezifische, häufige Form dieser Folgeerkrankungen, gekennzeichnet durch Intrusion (ungesteuertes Wiedererleben, Alpträume, Flashbacks), Vermeidungsverhalten und Hyperarousal (Übererregung, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, Schreckhaftigkeit).

Im Folgenden werden die in meiner Praxis zentralen Themenfelder im Bereich Trauma beschrieben:

Wenn die alten Geister der Vergangenheit die Mutterschaft bedrohen

Entwicklungstraumatisierung, komplexe Traumatisierung und transgenerationelle Traumatisierung

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Ich glaube, dass der Kern jeder Traumatisierung in extremer Einsamkeit besteht… Eine liebevolle Beziehung, die in mancher Hinsicht einfach ’sicher‘ ist, wird unerlässlich sein, um überhaupt von einem Trauma genesen zu können.

Nicht alle Wunden entstehen durch ein einzelnes, plötzliches Ereignis. Manche Traumata entstehen leise, schleichend und tief in den Strukturen unserer ersten Lebensjahre oder werden unbewusst von Generation zu Generation weitergegeben. Das Gefühl, trotz aller Bemühungen nicht „wirklich bei sich an zu kommen“, von einer emotionalen Taubheit begleitet zu werden oder sich immer wieder in toxischen Beziehungsmustern wiederzufinden, könnten Folge der hier beschriebenen Traumatisierungen sein. Besonders das Mutter-Werden kann diese alten Wunden unerwartet aufbrechen lassen.

DEFINITION

Ein Entwicklungstrauma entsteht meist dort, wo wir Schutz suchen: in der Beziehung zu unseren frühen Bezugspersonen. Wenn emotionale Sicherheit oder Zuwendung fehlten, lernt unser Nervensystem auf „Überleben“ statt auf „Entwicklung“ zu schalten. Als Erwachsene spüren wir dies oft durch ein tiefes Unbehagen oder Schwierigkeiten, uns selbst zu regulieren.

Die komplexe PTBS (K-PTBS) resultiert aus lang anhaltenden Belastungen wie Abwertung oder Vernachlässigung. Symptome wie chronische Scham, Flashbacks oder das Gefühl, „falsch“ zu sein, belasten den Alltag. In der Mutterschaft kann dies dazu führen, dass wir uns durch die Bedürfnisse unseres Kindes schneller überwältigt oder „getriggert“ fühlen.

Unverarbeitete Erlebnisse unserer Mütter und Großmütter – wie Krieg oder Flucht – können sich über Bindungsmuster auf uns übertragen. In der eigenen Mutter-Rolle spüren wir dann oft Lasten, für die wir keine eigenen Erinnerungen haben. Heilung bedeutet hier, den „Teufelskreis“ zu durchbrechen, damit diese Lasten nicht an die nächste Generation weitergereicht werden.

Die Mutter-Rolle als Spiegel alter Wunden

Für viele Frauen ist die eigene Mutterschaft der Moment, in dem verdrängte Traumata sichtbar werden:

  • Trigger im Alltag: Das Schreien des Babys oder die starke Bedürftigkeit eines Kleinkindes können unbewusste Erinnerungen an die eigene Ohnmacht wecken und uns in heftige emotionale Zustände
    versetzen.
  • Angst vor Fehlern: Die tiefe Angst, dem Kind nicht gerecht zu werden oder die eigenen Verletzungen weiterzugeben, erzeugt oft einen immensen Druck und Perfektionismus.
  • Erschwerte Bindung: Wenn das eigene Nervensystem ständig im Alarmmodus ist, fällt es schwer, die emotionale Resonanz zu finden, die wir uns für unser Kind so sehr wünschen.

Das Ziel der gemeinsamen Arbeit:

  • Sicherheit herstellen: Stabilisierung und Förderung der Emotionsregulation
  • Akzeptanz und Geduld: Das Verständnis, dass Traumata im Nervensystem gespeichert sind und tiefgreifende Veränderung Zeit und Mitgefühl mit sich selbst benötigt.
  • Verbindung stärken: Den Zugang zu sich selbst wiederfinden und einen wertschätzenden Umgang mit der eigenen Person entwickeln.
  • Wandlung des Selbstbildes: Dem gelernten negativen Selbstbild ein revidiertes, positives und lebensbejahendes Bild entgegensetzen.
  • Muster transformieren: Alte Überlebensstrategien würdigen und sie schrittweise durch neue, konstruktive Handlungsmuster ersetzen.
  • Versorgung alter Wunden: Die eigene Biografie integrieren, um heute die Mutter sein zu können, die man selbst gebraucht hätte.
  • Integration: Die Vergangenheit als Teil der eigenen Lebensgeschichte akzeptieren, ohne sich weiterhin von ihr im Hier und Jetzt bestimmen zu lassen.

Traumatische Erfahrungen bei der Geburt

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Als die Geburt meines Sohnes irgendwann trotz starker Wehen nicht voranging … ließ die Ärztin den OP für den Not-Kaiserschnitt vorbereiten; ich wollte jedoch keinen Kaiserschnitt, so dass sie vorschlug, wir könnten es zunächst mit der Saugglocke versuchen. Ich erinnere mich noch, dass ich erschrak, als ich die „Glocke“ sah, dann ging aber alles sehr schnell. Ich habe keine bewusste Erinnerung mehr an die Schmerzen, aber ich weiß noch, dass sie unmenschlich waren. In der ersten Zeit nach der Geburt habe ich hier zu Hause viel geweint.

Nicht jede schwierige Geburt ist traumatisch. Für viele Frauen fühlt sich die Entbindung jedoch übermächtig und bedrohlich an. Komplikationen oder unerwartete medizinische Eingriffe verstärken das Gefühl von Hilflosigkeit und Kontrollverlust.

Bis zu einem Drittel der Frauen erlebt die Geburt als traumatisch. Folgen können sein: Flashbacks, bei denen Szenen der Geburt immer wieder vor Augen laufen – wach oder im Traum –, körperliche Symptome wie Zittern, Herzrasen, Atemnot, Vermeidung von Situationen, die an die Geburt erinnern, Schlafstörungen, Ängste, Reizbarkeit und Depressivität.

Selbst wenn nicht alle Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung erfüllt sind, können einzelne Symptome das Leben massiv einschränken. Frühzeitige Unterstützung ist entscheidend, damit die Mutter ihre Gesundheit und Beziehung zum Kind stabilisieren kann.

Wenn das eigene Kind nicht bleibt – Traumatisierung durch den Verlust des Babys

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Ich hatte vor 6 Wochen eine Stillgeburt. Mein Mann und ich sind verzweifelt, am Ende, das Leben wirkt sinnlos und leer…. Wir brauchen Therapie, vor allem da unser Kinderwunsch noch unerfüllt ist, wollen wir definitiv noch einen Versuch starten, wissen aber genau, dass die nächste Schwangerschaft die reinste Herausforderung wird, wenn es überhaupt möglich ist. Um das durchzustehen brauchen wir Ihre Hilfe.

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Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muss man leben.

Die Verse fassen einen Schmerz zusammen, den sich kaum jemand vorstellen kann – den Verlust des eigenen Kindes. Für jede Schwangere ist es das Unvorstellbare: das eigene Kind zu verlieren, sei es durch schwere Erkrankungen, genetische Defekte, Schwangerschaftskomplikationen oder Probleme bei der Geburt.

 

In Deutschland sterben leider jedes Jahr Kinder – sei es als Totgeburt oder kurz nach der Geburt. Statistisch gesehen bedeutet das: drei Totgeburten auf 1.000 Geburten. Doch hinter jeder Zahl steckt ein unermesslicher persönlicher Verlust, eine Erfahrung, die das Leben der Eltern zutiefst erschüttert.

Der Verlust eines Kindes kann traumatische Spuren hinterlassen. Eltern erleben nicht nur Trauer und Schmerz, sondern oft auch Wut, Schuldgefühle, Angst oder das Gefühl, ihre Lebensaufgabe verloren zu haben. Langfristig können solche Traumata zu Depressionen, posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), Angstzuständen und körperlichen Beschwerden führen. Manche Eltern kämpfen jahrelang mit der Trauer, und manchmal ist der Schmerz so überwältigend, dass er das Leben zu bedrohen scheint.

Frauen, die eine Totgeburt erleben, brauchen vor allem Zeit, Ruhe und Unterstützung. Es ist essenziell, sich den Raum zur Regeneration zu geben – körperlich, emotional und seelisch. Hilfe durch medizinisches Fachpersonal, Psychotherapie oder Selbsthilfegruppen kann einen Weg bieten, den Verlust zu verarbeiten und langsam wieder einen Halt im Alltag zu finden. Dieser Verlust bleibt ein lebenslanger Schatten, doch mit Verständnis, Begleitung und Raum für Trauer kann er Schritt für Schritt in das eigene Leben integriert werden. Der Schmerz darf da sein – und er darf gesehen werden.

Sissi Rasche und Dr. Wiebke Baller
Sissi Rasche und Dr. Wiebke Baller

Podcast mit Sissi Rasche und Dr. Wiebke Baller über Fehlgeburten und Stille Geburten/Totgeburten

Fehl- und Totgeburten treffen viele Paare und doch bleibt der Schmerz oft unsichtbar. Ob der Verlust früh oder später in der Schwangerschaft geschieht, es ist immer ein Abschied. In diesem podcast spricht die Hebamme Sissi Rasche mit Dr. Wiebke Baller über diesen Verlust, die Trauer, welche Schritte in der Verarbeitung helfen können und wie das Umfeld Betroffene sensibel unterstützen kann.